Case|Selbstwahrnehmung „Wer bin ich, wenn ich aufhöre zu kämpfen?"

Vom Ärger auf andere zum roten Faden im eigenen Leben

„Endlich mit mir im Reinen“ – Eine Geschichte Ärger, Biografiearbeit und den roten Faden im Leben

Ein Coaching-Case aus der Praxis

Annika kam zu mir mit einem diffusen, aber hartnäckigen Gefühl: Sie war unzufrieden – mit sich, mit anderen, mit fast allem. Sie ärgerte sich oft und intensiv. Über ihren Mann, ihre Tochter, Kolleginnen und Kollegen, die Vorgesetzte, die Schwester. Keiner konnte es ihr recht machen. Verhaltensweisen anderer Menschen hingen ihr nach, beschäftigten sie, brachten sie auf. Und gleichzeitig wollte sie genau das: dass die anderen sich endlich ändern würden.

Was sie nicht sah – noch nicht – war, dass das eigentliche Thema nicht die anderen waren.

Am Anfang steht das Verstehen
Wenn Ärger mehr ist als Ärger – das eigene Innenleben neu lesen lernen

Bevor wir irgendetwas „reparieren“ konnten, musste Annika zunächst lernen, was in ihr eigentlich vorging. Nicht kognitiv-analytisch, sondern wirklich fühlend.

Wir arbeiteten mit dem Gefühlskompass – einem Werkzeug, das dabei hilft, Emotionen differenziert wahrzunehmen und zu benennen. Denn oft, wenn Menschen sagen „Ich bin sauer“, steckt dahinter viel mehr: Enttäuschung vielleicht, Angst, Trauer, manchmal auch Scham. Annika lernte, hinzuschauen statt wegzudrücken. Sie begann zu verstehen, dass ihr Ärger häufig ein Signal war – kein Urteil über die anderen, sondern ein Hinweis auf etwas Unerfülltes in ihr selbst.

Der Satz, der alles erklärte – und der sie so viel Energie gekostet hatte

Irgendwann im Prozess tauchte er auf, klar und unmissverständlich:

„Ich bin nur sichtbar, wenn ich Leistung erbringe.“

Dieser Glaubenssatz saß tief. Er erklärte vieles: den Perfektionismus, das Schwarz-Weiß-Denken, die Ungeduld mit anderen, die scheinbar nicht „funktionierten“. Wenn der eigene Wert an Leistung geknüpft ist, wird jede Abweichung – bei sich selbst und bei anderen – zur Bedrohung.

Wir arbeiteten daran, diesen Glaubenssatz zu verstehen und zu bearbeiten. Nicht, um ihn einfach durch einen positiven zu ersetzen – das wäre zu schnell und zu flach. Sondern um zu fragen: Woher kommt er? Was hat er mir früher gegeben? Und was kostet er mich heute?

Weniger Druck, mehr Spielraum – wie neue innere Botschaften Beziehungen verändern
Innere Antreiber – und die Erlaubnis, anders zu sein

Verknüpft mit diesem Glaubenssatz waren klassische innere Antreiber: „Sei perfekt“, „Streng dich an“, „Sei stark“. Diese Muster sind keine Charakterfehler – sie sind erlernte Überlebensstrategien, oft aus der Kindheit, die irgendwann zu eng wurden.

Gegenstück dazu sind die sogenannten Erlaubersätze – neue innere Botschaften, die Raum geben statt einengen: „Ich darf Fehler machen und bin trotzdem wertvoll.“ „Ich darf Hilfe annehmen.“ „Ich darf auch ohne Leistung gesehen werden.“

Das klingt simpel. In der gelebten Praxis ist es alles andere als das.

Wenn man weiß, was einem wirklich wichtig ist – hört der Kampf auf

Parallel dazu arbeiteten wir an Annikas Wertesystem. Was ist ihr wirklich wichtig? Nicht was sie glaubt, dass es ihr wichtig sein sollte – sondern was tief in ihr resoniert. Diese Arbeit brachte Klarheit, wo vorher diffuse Unzufriedenheit herrschte.

Mit dem Inneren Team nach Schulz von Thun konnten wir die verschiedenen inneren Stimmen sichtbar machen – die Kritikerin, die Antreiberin, die Erschöpfte, die Sehnende. Wenn diese Anteile nicht miteinander reden, behindern sie sich gegenseitig. Wenn sie in Dialog kommen, entsteht Handlungsfähigkeit.

Die berufliche Frage – und eine unerwartete Antwort
Die Frage, die sie jahrelang beschäftigt hatte – und die Antwort, die sie nicht erwartet hatte

Irgendwann kam die Frage, die Annika schon länger mit sich trug:

Soll ich mich beruflich verändern?

Sie hatte keine Antwort. Hatte sie sich zu oft gefragt, ohne weiterzukommen. Ich schlug ihr etwas vor, das ich die Biografiearbeit nenne: Wir stellten gemeinsam ihren Lebensweg visuell auf dem Flipchart dar – von der Kindheit bis heute. Nicht als CV, sondern als lebendige Geschichte. Mit Wendepunkten, Entscheidungen, Fähigkeiten, die sich zeigten, Themen, die sich wiederholten.

Und dann wurde etwas sichtbar, was keine Analyse hätte zeigen können:

Annika war in ihrem Beruf genau richtig. Er passte zu ihrer Veranlagung, ihren Stärken, ihrer Art zu denken und zu wirken – zu hundert Prozent. Der rote Faden war die ganze Zeit da gewesen. Sie hatte ihn nur nicht gesehen, weil sie zu beschäftigt damit war, an sich und den anderen zu zweifeln.

Und mehr noch: Durch diese Arbeit konnte sie erkennen und konkret benennen, was sie in ihrem Job braucht, um wirklich erfüllt zu sein. Nicht irgendwie zufrieden – sondern richtig lebendig dabei.

Was sich verändert hat
Was ihr Mann, ihre Tochter und ihre Kollegen plötzlich an ihr bemerkten

Am Ende des Coaching-Prozesses sprach Annika von sich selbst anders. Ruhiger. Klarer. Weniger auf Kampf eingestellt.

Ihr Umfeld bemerkte es als erstes. Mann, Tochter, Kolleginnen – alle äußerten sich positiv zu der Veränderung, die sie an ihr wahrnahmen.

Aber das Schönste für mich als Coach war etwas anderes:

Annika selbst sagte, dass sie endlich mit sich im Reinen sei.

Nicht weil sich die anderen verändert hätten. Sondern weil sie aufgehört hatte, auf ihre Veränderung zu warten.

*Name geändert, um die Vertraulichkeit zu wahren.

Interessiert dich dieser Weg? Wenn du erkennst, dass du dich in Annika Geschichte wiederfindest – mit dem Ärger, dem Gefühl, dass andere schuld sind, oder der Frage, ob du beruflich richtig bist – dann lade ich dich ein, das in einem unverbindlichen Erstgespräch zu erkunden.

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Bildnachweis: Lucas van Oort / Unsplash

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