Artikel|Die Anpassungsfalle

Wie unsere Erziehung Führungserfolge beeinflusst.

In meiner Coaching-Praxis in Aachen beobachte ich ein Phänomen, das sich quer durch alle Hierarchien zieht: Hochqualifizierte Führungskräfte, die gegen eine unsichtbare Wand laufen. Diese Wand besteht nicht aus mangelnder Kompetenz, sondern innere Mustern – tief verwurzelten Prägungen, die früh entstanden sind.

Jeder von uns wächst mit unausgesprochenen Erwartungen auf, wie er oder sie „sein sollte“. Diese frühen Prägungen wirken oft subtil weiter. Was in der Kindheit Anerkennung und Sicherheit brachte, kann im Führungsalltag zur unbemerkten Blockade werden – für deine Entscheidungen, Kommunikation und Präsenz. Genau hier schnappt sie zu: die Anpassungsfalle.

1. Wer steuert dich wirklich? Die vier häufigsten Skripte
In der systemischen Arbeit zeigen sich immer wieder bestimmte innere „Skripte“. Sie wirken meist unbewusst, aber stark. Sie führen dazu, dass du nicht frei und situativ führst, sondern gesteuert von alten inneren Regeln. Erkennst du dich in einem dieser Muster wieder?

Die klassische Anpassungsfalle | Du hast früh gelernt, rücksichtsvoll und konfliktvermeidend zu sein. Heute zögerst du Entscheidungen hinaus oder schwächst klare Ansagen ab, um niemanden zu verletzen. Du wirkst zugänglich, aber es fehlt dir an Eindeutigkeit.

Das Stärke-Diktat | Du hast gelernt, dass Stärke bedeutet, keine Unsicherheit zu zeigen. Kontrolle ersetzt bei dir Verbindung. Das führt zu emotionaler Distanz oder Härte – ein Stil, der in modernen Teams eher Misstrauen säht als Vertrauen schafft.

Das Leistungs-Skript | Dein Wert ist untrennbar mit Ergebnissen verknüpft. Du bist extrem engagiert, delegierst aber zu wenig und übernimmst zu viel Verantwortung selbst. Leistung ist für dich keine bewusste Entscheidung mehr, sondern eine Dauerhaltung, die dich ausbrennt.

Das Perfektions-Skript | Du arbeitest fehlerfrei, aber es fällt dir schwer, unter Unsicherheit zu entscheiden. Projekte dauern bei dir zu lange, weil du Klarheit aufschiebst, bis jedes Detail geklärt ist. Dein Team verliert dadurch die Orientierung.

Die Folge: All diese Muster hatten früher einen Sinn. Heute kosten sie dich Energie, mindern deine Präsenz und reduzieren deine Wirksamkeit. Du handelst nicht aus innerer Klarheit, sondern aus einer alten Strategie.

2. Die unsichtbaren Kosten unklarer Führung für dich und dein Team
Wenn du unbewusst aus diesen Mustern heraus agierst, hat das reale Konsequenzen für dein Unternehmen – Kosten, die selten beim Namen genannt werden:

a) Tempo-Verlust | Entscheidungen werden unnötig abgesichert oder verzögert. Das kostet Wettbewerbsfähigkeit.

b) Innovations-Stopp |Wo Konflikte vermieden werden oder einer immer recht haben muss, entstehen keine neuen Ideen. Potenziale bleiben liegen.

c) Vertrauensverlust im Team |Dein Team orientiert sich nicht an deinem Titel, sondern an deiner inneren Klarheit. Wirkt dein Handeln überangepasst oder kontrollierend, entsteht Distanz. Menschen spüren intuitiv, ob du aus innerer Stabilität handelst oder unter Druck stehst.

Meine Überzeugung: Innere Klarheit ist kein „Soft Skill“. Sie ist der entscheidende Wirkfaktor für deinen Erfolg und den Erfolg deiner Organisation.

3. Innere Klarheit als Hebel: So lösen wir die Muster
Das Innere Team – Schlüssel zur souveränen Führung

Im Coaching geht es nicht darum, Menschen zu verändern oder zu „reparieren“. Es geht darum, deine Rollenmuster sichtbar zu machen und ihre Funktion zu verstehen, damit du wieder eine Wahl hast. Mein zentrales Werkzeug dafür ist die Methode des Inneren Teams und der inneren Anteile.

Stell dir vor, an deinem inneren Entscheidungstisch sitzen verschiedene Anteile. Wer hat bei dir gerade das Sagen?

Die Diplomatin | Sorgt für Harmonie und Feingefühl
Der Macher | Bringt Drive und Durchsetzungskraft
Der Perfektionist | Schützt vor Fehlern und Risiken
Die Visionärin | Hält das große Ganze im Blick

Jeder dieser Anteile ist wertvoll. Problematisch wird es erst, wenn einer von ihnen ungefragt das Ruder übernimmt. Im Coaching ordnen wir diese Stimmen neu: Du als reflektierte Führungskraft übernimmst in deinem Selbst den Vorsitz. Du entscheidest bewusst, wann welcher Anteil gehört wird.

Praxisbeispiel: Julia und die Budgetkürzung
Julia, Abteilungsleiterin, muss ihr Projektbudget um 15 % kürzen. Die innere Zerrissenheit ist groß:

Die Strategin: „Die Zahlen sind eindeutig. Wir müssen handeln.“
Die Diplomatin: „Sie werden enttäuscht sein. Vielleicht denken sie, ich setze mich nicht genug ein.“

Ohne Coaching verzögert Julia die Kommunikation, relativiert Entscheidungen und wirkt unsicher. Das Team spürt die Instabilität, Vertrauen schwindet.
Im Coaching erkennt Julia: Die Angst vor Enttäuschung stammt aus einem alten Bedürfnis, gemocht zu werden. Durch die Arbeit mit dem Inneren Team übernimmt ihre Verantwortungsträgerin den Vorsitz.

Ergebnis: Beim nächsten Gespräch kommuniziert sie klar, sachlich und souverän. Die Entscheidung wird vom Team akzeptiert – nicht trotz, sondern wegen der Klarheit und Authentizität der Führungskraft.

Fazit: Klar im Innen. Stark im Außen.
Nachhaltige Führung beginnt nicht mit neuen Tools, sondern bei dir selbst. Wenn du deine inneren Anteile kennst, verlierst du die Angst vor alten Rollenbildern. Du musst den Perfektionisten oder die Diplomatin nicht unterdrücken – du lernst, sie bewusst einzusetzen.

Was sich für dich ändert:

  • Deine Entscheidungen werden klar und situativer.
  • Deine Kommunikation wirkt souverän und echt.
  • Dein Team findet in dir die Stabilität, Vertrauen und Orientierung, die es braucht.

Souveränität bedeutet nicht, ein Skript zu befolgen. Es bedeutet, die Freiheit zu haben, authentisch zu reagieren. Wer sein Inneres Team führt, befreit sich von der Anpassungsfalle – und wird die Führungskraft, die er oder sie wirklich sein möchte.

Möchtest du herausfinden, wer an deinem inneren Tisch gerade die Fäden zieht?
Lass uns gemeinsam Klarheit schaffen.

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